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Die CargoCity ist ein zentraler Logistikstandort am Flughafen Frankfurt Main und gilt als einer der größten und modernsten Luftfracht-Drehkreuze Europas. Sie verbindet effiziente Frachtabwicklung mit multimodalen Transportlösungen und spielt eine Schlüsselrolle in der globalen Lieferkette. Das Konzept vereint Infrastruktur, Technologie und Dienstleistungen für den schnellen Umschlag von Waren.

Allgemeine Beschreibung

Die CargoCity ist ein spezialisierter Logistikkomplex, der sich auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens (FRA) erstreckt und von der Fraport AG betrieben wird. Sie unterteilt sich in zwei Hauptbereiche: CargoCity Nord (primär für Frachtflugzeuge und Speditionen) und CargoCity Süd (mit Fokus auf pharmazeutische Logistik, E-Commerce und Hochwertgüter). Die Gesamtfläche beträgt rund 2 Millionen m², wobei etwa 900.000 m² überdachte Lager- und Abfertigungsflächen umfassen (Quelle: Fraport AG, 2023).

Ein zentrales Merkmal der CargoCity ist ihre multimodale Anbindung: Neben der direkten Verbindung zum Frankfurter Kreuz (Autobahn A3/A5) verfügt sie über einen eigenen Bahnanschluss (CargoCity-Bahnhof) für den Schienengüterverkehr sowie eine Binnenhafen-Anbindung über den Main. Dies ermöglicht nahtlose Übergänge zwischen Luft-, Straßen-, Schienen- und Wassertransport – ein entscheidender Vorteil für Just-in-Time-Lieferketten. Die Infrastruktur ist auf Temperaturkontrolle (z. B. für Pharmaprodukte) und Hochsicherheitsbereiche (z. B. für Wertgüter) ausgelegt.

Technologisch setzt die CargoCity auf automatisierte Sortiersysteme, Blockchain-basierte Trackingsysteme (in Kooperation mit Partnern wie Lufthansa Cargo) und KI-gestützte Prognosetools für Frachtaufkommen. Die Energieversorgung erfolgt teilweise über Photovoltaikanlagen und Geothermie, um die CO₂-Bilanz zu verbessern. Zudem ist der Standort IATA CEIV Pharma-zertifiziert, was ihn für den Transport temperaturempfindlicher Güter (z. B. Impfstoffe) prädestiniert.

Betreiberisch ist die CargoCity ein Public-Private-Partnership-Modell: Die Fraport AG stellt die Infrastruktur bereit, während globale Logistikunternehmen wie DHL, Kuehne+Nagel oder DB Schenker eigene Terminals und Lagerhallen betreiben. Diese Kooperationen ermöglichen Skaleneffekte und eine 24/7-Betriebsbereitschaft. Laut Fraport wurden 2022 über 2,1 Millionen Tonnen Fracht in der CargoCity umgeschlagen – etwa 50 % des gesamten deutschen Luftfrachtvolumens (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Historische Entwicklung

Die Ursprünge der CargoCity reichen bis in die 1970er-Jahre zurück, als der Frankfurter Flughafen aufgrund des wachsenden Frachtaufkommens erste dedizierte Abfertigungsanlagen errichtete. Der entscheidende Ausbau erfolgte jedoch in den 1990er-Jahren, als die Liberalisierung des Luftverkehrs und die Globalisierung den Bedarf an effizienten Logistikdrehscheiben steigerten. 1997 wurde der CargoCity Nord als erster großer Komplex fertiggestellt, gefolgt von CargoCity Süd im Jahr 2005.

Ein Meilenstein war die Inbetriebnahme des "Perishable Centers" (2010), eines spezialisierten Terminals für frische Lebensmittel (z. B. Fisch, Obst) mit kontrollierten Kühlketten. 2018 folgte die Eröffnung des "Pharma Hubs", der seither als europäisches Zentrum für den Transport von Arzneimitteln und Biotech-Produkten dient. Die COVID-19-Pandemie (2020–2022) unterstrich die Bedeutung der CargoCity als kritische Infrastruktur: Über 80 % der in Deutschland importierten Impfstoffe wurden hier umgeschlagen (Quelle: Bundesgesundheitsministerium).

Technische Details

Die CargoCity verfügt über drei Hauptterminals mit unterschiedlichen Spezialisierungen: Terminal 1 (Allgemeine Fracht), Terminal 2 (Express- und Kurierdienste) und Terminal 3 (Sondergüter wie Gefahrgut oder Tiere). Die Lagerhallen sind mit automatischen Regalsystemen (Höhe bis zu 12 m) und fahrerlosen Transportsystemen (FTS) ausgestattet, die Paletten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 4 m/s bewegen.

Für den Umschlag von Luftfrachtcontainern (ULDs) kommen Hebebühnen mit 20-Tonnen-Kapazität zum Einsatz. Die Kühlinfrastruktur umfasst Tiefkühlzellen (bis –25 °C) und Temperierzonen (2–8 °C für Pharmaprodukte). Die Energieeffizienz wird durch Wärmerückgewinnungssysteme und LED-Beleuchtung optimiert, was den Stromverbrauch um bis zu 30 % reduziert (Quelle: Fraport Nachhaltigkeitsbericht 2023).

Die IT-Architektur basiert auf einem cloudbasierten Frachtmanagementsystem (CMS), das Echtzeitdaten zu Sendungsstatus, Zollabwicklung und Transportrouten bereitstellt. Über API-Schnittstellen sind Partner wie Lufthansa Cargo oder FedEx direkt angebunden, was eine durchgängige digitale Lieferkette ermöglicht. Für die Sicherheit sorgen Röntgenscanner, Sprengstoffdetektoren und ein biometrisches Zugangssystem für Mitarbeiter.

Anwendungsbereiche

  • Luftfracht-Logistik: Abwicklung von Import/Export über Frachtflugzeuge (z. B. Boeing 777F) mit Anschluss an globale Hubs wie Hong Kong oder Dubai. Die CargoCity ist Heimatbasis der Lufthansa Cargo, die hier täglich über 500 Tonnen Fracht umschlägt.
  • Pharma-Logistik: Transport und Lagerung von temperaturempfindlichen Medikamenten (z. B. Insulin, mRNA-Impfstoffe) in zertifizierten Kühlketten. Der Pharma Hub verfügt über GDP-konforme Lager (Good Distribution Practice).
  • E-Commerce-Fulfillment: Schneller Versand von Online-Bestellungen durch Partner wie Amazon Air oder DPD, die hier Cross-Docking-Zentren betreiben. Die Nähe zum Flughafen ermöglicht Same-Day-Delivery in Europa.
  • Gefahrgut-Handhabung: Spezialisierte Terminals für Lithium-Ionen-Batterien, Chemikalien oder radioaktive Stoffe (gemäß IATA-DGR-Vorschriften). Die CargoCity ist einer von nur fünf Standorten in Deutschland mit Gefahrgut-Lagerklasse 7.
  • Tiertransport: Abfertigung von lebenden Tieren (z. B. Rennpferde, Zootiere) in klimatisierten Ställen mit tierärztlicher Betreuung. Der Flughafen Frankfurt ist europäischer Marktführer im Pferdetransport (über 2.000 Tiere/Jahr).

Bekannte Beispiele

  • Lufthansa Cargo: Betreibt in der CargoCity Nord ihr Hauptdrehkreuz mit einer 7.000 m² großen Sortieranlage und einem automatisierten Hochregallager. Das Unternehmen transportiert jährlich über 1,5 Millionen Tonnen Fracht.
  • DHL Global Forwarding: Unterhält ein 40.000 m² großes Logistikzentrum für Expresssendungen und pharmazeutische Produkte. Durante der Pandemie koordinierte DHL hier den weltweiten Transport von COVID-19-Impfstoffen.
  • DB Schenker: Nutzt die CargoCity als Europäisches Distributionszentrum für Automotive-Teile (z. B. für BMW oder Mercedes-Benz) mit direkter Anbindung an die Neue Seidenstraße (China-Europa-Schienengüterverkehr).
  • Animal Lounge: Ein spezialisiertes Tierterminal mit Quarantänestationen und Veterinärdienst, das u. a. den Transport von Pandas für den Zoo Berlin (2017) organisierte.
  • CEVA Logistics: Betreibt hier ein Kühlketten-Zentrum für Lebensmittelkonzerne wie Nestlé* oder *Unilever, das 30.000 Palettenplätze umfasst.

Risiken und Herausforderungen

  • Kapazitätsengpässe: Trotz Erweiterungen (z. B. Terminal 3, 2021) stößt die CargoCity an Grenzen – besonders in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft (bis zu 10.000 Tonnen/Tag). Langfristig wird eine dritte Startbahn diskutiert, um die Frachtkapazität zu erhöhen.
  • Klimabelastung: Der Luftfrachtsektor verursacht etwa 2–3 % der globalen CO₂-Emissionen (Quelle: ICCT). Die CargoCity setzt auf nachhaltige Kraftstoffe (SAF) und Elektro-Fahrzeuge, doch die Dekarbonisierung bleibt eine Herausforderung.
  • Sicherheitsrisiken: Als kritische Infrastruktur ist die CargoCity potenzielles Ziel für Cyberangriffe (z. B. auf IT-Systeme) oder physische Sabotage. Die Bundespolizei und private Sicherheitsdienste überwachen den Standort rund um die Uhr.
  • Arbeitskräftemangel: Der Logistiksektor leidet unter einem Fachkräftemangel – besonders bei Gabelstaplerfahrern und Zollfachleuten. Die CargoCity kooperiert mit Berufsschulen, um Ausbildungsplätze anzubieten.
  • Regulatorische Hürden: Strengere Zollvorschriften (z. B. durch den Brexit) und Handelskonflikte (z. B. USA-China) erschweren die Abwicklung. Die CargoCity setzt auf KI-gestützte Zollabfertigung, um Verzögerungen zu minimieren.

Ähnliche Begriffe

  • Flughafen-Drehkreuz (Hub): Ein zentraler Umsteigeknoten für Passagiere und Fracht (z. B. Memphis Superhub von FedEx). Im Gegensatz zur CargoCity liegt der Fokus hier jedoch nicht ausschließlich auf Logistik.
  • Freight Village: Ein multimodaler Güterverkehrsknoten (z. B. Duisburger Hafen), der ähnlich wie die CargoCity verschiedene Transportmittel vernetzt, aber ohne direkte Flughafenanbindung.
  • Bonded Warehouse: Ein Zolllager, in dem Waren vorübergehend ohne Einfuhrabgaben gelagert werden (z. B. in der CargoCity für Transitsendungen).
  • E-Fulfillment-Center: Spezialisierte Lager für E-Commerce (z. B. Amazon Logistics), die jedoch meist keine Luftfracht-Infrastruktur besitzen.
  • Cool Chain: Eine durchgängige Kühlkette für temperaturempfindliche Güter – ein zentrales Element der CargoCity, aber auch in anderen Logistikzentren (z. B. Rotterdam World Gateway).

Zusammenfassung

Die CargoCity am Frankfurter Flughafen ist ein global führender Logistikstandort, der Luftfracht mit Straßen-, Schienen- und Wassertransport vernetzt. Durch spezialisierte Terminals (Pharma, Gefahrgut, Tiere), automatisierte Technologien und multimodale Anbindungen ermöglicht sie eine effiziente Abwicklung von Warenströmen – besonders für zeitkritische oder temperaturempfindliche Güter. Trotz Herausforderungen wie Kapazitätsgrenzen oder Klimazielen bleibt sie ein unverzichtbarer Knotenpunkt in der internationalen Lieferkette.

Als Public-Private-Partnership vereint sie die Infrastruktur der Fraport AG mit dem Know-how globaler Logistikunternehmen und setzt Maßstäbe in Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Mit einem Umschlagvolumen von über 2 Millionen Tonnen pro Jahr unterstreicht die CargoCity ihre Rolle als Rückgrat des deutschen Außenhandels.

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