English: Wendlingen–Ulm railway project / Español: Proyecto ferroviario Wendlingen-Ulm / Português: Projeto ferroviário Wendlingen-Ulm / Français: Projet ferroviaire Wendlingen-Ulm / Italiano: Progetto ferroviario Wendlingen-Ulm

Das Bahnprojekt WendlingenUlm ist eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben der deutschen Bahn in den letzten Jahrzehnten. Es verbindet als Teil der Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Augsburg die Region Stuttgart mit dem Ulmer Raum und stellt einen zentralen Baustein für den europäischen Schienenverkehr dar. Mit einer Länge von rund 60 Kilometern verbessert es nicht nur die Reisezeiten, sondern optimiert auch die Kapazitäten für den Güterverkehr.

Allgemeine Beschreibung

Das Bahnprojekt WendlingenUlm ist ein Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt, das im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 realisiert wird. Es umfasst den Neubau einer 25 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wendlingen am Neckar und Ulm sowie den Ausbau bestehender Abschnitte. Die Strecke ist für Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde ausgelegt und ermöglicht eine direkte Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm in unter 30 Minuten.

Ein zentrales Element des Projekts ist der rund 8,2 Kilometer lange Albvorlandtunnel, der als einer der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands gilt. Zudem umfasst das Vorhaben den Bau des neuen Bahnhofs Wendlingen, der als Knotenpunkt für Regional- und Fernverkehr dient. Die Strecke ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) und soll die Kapazitäten für den Güterverkehr zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Südosteuropa deutlich erhöhen.

Die Planung des Projekts begann in den 1990er-Jahren, doch erst nach jahrelangen Diskussionen über Trassenführung, Umweltverträglichkeit und Finanzierung konnte der Baubeginn im Jahr 2012 erfolgen. Die Inbetriebnahme der Strecke erfolgte schrittweise ab Dezember 2022, wobei der Vollbetrieb für den Fernverkehr im Dezember 2023 aufgenommen wurde. Das Projekt wird von der Deutschen Bahn AG in Zusammenarbeit mit dem Bund und dem Land Baden-Württemberg umgesetzt.

Ein weiteres Merkmal des Bahnprojekts WendlingenUlm ist die Integration in das digitale Stellwerkssystem, das eine effizientere Zugsteuerung und höhere Sicherheit ermöglicht. Die Strecke ist zudem für den Einsatz von ETCS (European Train Control System) Level 2 vorbereitet, was eine europaweite Interoperabilität gewährleistet. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa 3,8 Milliarden Euro, wobei der Bund den Großteil der Finanzierung übernimmt.

Technische Details

Die neu gebaute Strecke zwischen Wendlingen und Ulm ist als zweigleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke konzipiert und für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Die Trassierung wurde so gewählt, dass sie möglichst geradlinig verläuft, um hohe Geschwindigkeiten zu ermöglichen und gleichzeitig die Lärmbelastung für Anwohner zu minimieren. Der Albvorlandtunnel durchquert den Schwäbischen Jura und wurde mit modernsten Tunnelbohrtechniken errichtet.

Ein besonderes Merkmal der Strecke ist die Verwendung von Fester Fahrbahn, einer Bauweise, bei der die Schienen direkt auf einer Betonplatte befestigt werden. Dies reduziert den Wartungsaufwand und erhöht die Stabilität der Strecke, was besonders bei Hochgeschwindigkeitsstrecken von Vorteil ist. Die Strecke ist zudem mit Oberleitungen für eine Spannung von 15 Kilovolt und einer Frequenz von 16,7 Hertz ausgestattet, was dem Standard des deutschen Eisenbahnnetzes entspricht.

Für den Güterverkehr ist die Strecke mit einer Achslast von bis zu 22,5 Tonnen ausgelegt, was den Transport schwerer Güterzüge ermöglicht. Die Streckenführung wurde so gestaltet, dass sie nahtlos in das bestehende Netz integriert werden kann, ohne dass größere Umbauten an den Anschlussstrecken erforderlich sind. Zudem sind die Bahnhöfe entlang der Strecke mit modernen Sicherheits- und Komfortstandards ausgestattet, darunter barrierefreie Zugänge und digitale Informationssysteme.

Historische Entwicklung

Die ersten Überlegungen für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Stuttgart und Ulm reichen bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals wurde erkannt, dass die bestehende Strecke an ihre Kapazitätsgrenzen stieß und den Anforderungen des wachsenden Personen- und Güterverkehrs nicht mehr gerecht werden konnte. In den 1990er-Jahren begannen konkrete Planungen, die jedoch aufgrund von Widerständen aus der Bevölkerung und Umweltbedenken immer wieder verzögert wurden.

Ein entscheidender Meilenstein war die Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan 2003, der die finanzielle und politische Unterstützung des Bundes sicherte. Nach einer Reihe von Planfeststellungsverfahren und Klageverfahren konnte schließlich im Jahr 2012 mit dem Bau begonnen werden. Der Albvorlandtunnel, eines der komplexesten Bauwerke des Projekts, wurde zwischen 2013 und 2020 errichtet und stellte die Ingenieure vor besondere Herausforderungen, insbesondere aufgrund der geologischen Gegebenheiten.

Die Inbetriebnahme der Strecke erfolgte in mehreren Phasen. Im Dezember 2022 wurde der Abschnitt zwischen Wendlingen und Ulm für den Regionalverkehr freigegeben, während der Fernverkehr erst ein Jahr später folgte. Die vollständige Integration in das europäische Eisenbahnnetz ist ein zentrales Ziel des Projekts und soll die Anbindung Süddeutschlands an die europäischen Verkehrsachsen verbessern.

Anwendungsbereiche

  • Personenverkehr: Die Strecke ermöglicht eine deutliche Reduzierung der Reisezeiten zwischen Stuttgart und Ulm, was die Attraktivität der Bahn als Alternative zum Individualverkehr erhöht. Zudem verbessert sie die Anbindung der Region an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz.
  • Güterverkehr: Durch die erhöhte Kapazität und die Möglichkeit, schwere Güterzüge zu transportieren, wird die Strecke zu einem wichtigen Korridor für den Warenverkehr zwischen West- und Südosteuropa.
  • Regionalentwicklung: Das Projekt fördert die wirtschaftliche Entwicklung der Region, indem es die Erreichbarkeit von Industrie- und Gewerbestandorten verbessert und neue Siedlungsflächen erschließt.
  • Umwelt und Nachhaltigkeit: Durch die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene trägt das Projekt zur Reduzierung von CO₂-Emissionen bei und unterstützt die Klimaziele der Bundesregierung.

Bekannte Beispiele

  • Albvorlandtunnel: Mit einer Länge von 8,2 Kilometern ist er einer der längsten Eisenbahntunnel in Deutschland und ein zentrales Bauwerk des Projekts. Er durchquert den Schwäbischen Jura und wurde mit modernster Tunnelbohrtechnik errichtet.
  • Bahnhof Wendlingen: Der neu gebaute Bahnhof dient als wichtiger Knotenpunkt für den Regional- und Fernverkehr und ist mit modernen Einrichtungen wie digitalen Stellwerken und barrierefreien Zugängen ausgestattet.
  • ETCS Level 2: Die Strecke ist für das European Train Control System vorbereitet, das eine europaweite Interoperabilität ermöglicht und die Sicherheit im Bahnverkehr erhöht.

Risiken und Herausforderungen

  • Kostenüberschreitungen: Wie bei vielen Großprojekten kam es auch beim Bahnprojekt WendlingenUlm zu erheblichen Kostensteigerungen, die von ursprünglich 2,5 Milliarden Euro auf etwa 3,8 Milliarden Euro anstiegen. Dies führte zu Diskussionen über die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens.
  • Umweltbelastungen: Der Bau der Strecke und insbesondere des Albvorlandtunnels führte zu Eingriffen in die Natur, die trotz umfangreicher Kompensationsmaßnahmen kritisch gesehen wurden. Besonders der Wasserhaushalt und die Tierwelt in der Region waren betroffen.
  • Akzeptanz in der Bevölkerung: Widerstände aus der lokalen Bevölkerung, insbesondere von Anwohnern und Umweltverbänden, verzögerten das Projekt über Jahre. Kritische Punkte waren Lärmbelastung, Landschaftsverbrauch und die befürchtete Zersiedelung.
  • Technische Herausforderungen: Die geologischen Bedingungen im Schwäbischen Jura stellten die Ingenieure vor besondere Herausforderungen, insbesondere beim Tunnelbau. Erdrutsche und Wasserzutritte verzögerten die Bauarbeiten und erhöhten die Kosten.

Ähnliche Begriffe

  • Neubaustrecke Stuttgart–Augsburg: Ein übergeordnetes Projekt, zu dem das Bahnprojekt WendlingenUlm gehört. Es umfasst den Ausbau der Strecke zwischen Stuttgart und Augsburg und ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T).
  • Stuttgart 21: Ein weiteres großes Bahnprojekt in Baden-Württemberg, das den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs von einem Kopf- zu einem Durchgangsbahnhof vorsieht. Es ist eng mit dem Bahnprojekt WendlingenUlm verknüpft, da beide Projekte die Anbindung Stuttgarts an das europäische Eisenbahnnetz verbessern.
  • ETCS (European Train Control System): Ein europäisches Zugsicherungssystem, das eine einheitliche Steuerung von Zügen in verschiedenen Ländern ermöglicht. Es wird auch auf der Strecke Wendlingen–Ulm eingesetzt, um die Interoperabilität zu gewährleisten.
  • Feste Fahrbahn: Eine Bauweise für Eisenbahnstrecken, bei der die Schienen direkt auf einer Betonplatte befestigt werden. Sie wird auf der Strecke Wendlingen–Ulm verwendet, um die Stabilität und Wartungsfreundlichkeit zu erhöhen.

Zusammenfassung

Das Bahnprojekt WendlingenUlm ist ein zentrales Infrastrukturvorhaben, das die Schienenanbindung zwischen Stuttgart und Ulm deutlich verbessert. Mit einer neu gebauten Hochgeschwindigkeitsstrecke, modernster Tunnelbau- und Sicherheitstechnik sowie der Integration in das europäische Eisenbahnnetz setzt es Maßstäbe für den Bahnverkehr der Zukunft. Trotz Herausforderungen wie Kostensteigerungen, Umweltbelastungen und Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung trägt das Projekt maßgeblich zur Steigerung der Kapazitäten im Personen- und Güterverkehr bei.

Durch die Reduzierung der Reisezeiten und die verbesserte Anbindung an das europäische Verkehrsnetz leistet das Bahnprojekt WendlingenUlm einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende und unterstützt die Klimaziele der Bundesregierung. Gleichzeitig fördert es die wirtschaftliche Entwicklung der Region und zeigt, wie moderne Infrastrukturprojekte die Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit einer Region nachhaltig verbessern können.

--

Dieses Lexikon ist ein Produkt der quality-Datenbank. Impressum